Unendlich viele Türen?

Entscheidungs­angst raubt uns die Freiheit! Stellen Sie sich vor, Sie stehen in einer riesigen Halle vor hunderten von geschlossenen Türen. Hinter jeder einzelnen wartet ein völlig anderer Lebensweg, eine andere Karriere, eine andere Beziehung oder eine andere Version von Ihnen selbst. Sie gehen von Klinke zu Klinke, wägen ab, vergleichen und verharren schließlich regungslos auf dem Flur – geplagt von der quälenden Sorge, die falsche Tür zu wählen und damit alle anderen großartigen Optionen für immer zu verlieren. Festlegung ordnet unser Leben Dieses Phänomen, das in unserer modernen Multioptionsgesellschaft oft als FOMO (Fear of Missing Out) bezeichnet wird, lähmt im Großen wie im Kleinen. In der psychotherapeutischen Praxis begegnet uns diese Dynamik bei vielen Patientinnen und Patienten. Sie kommen mit dem verständlichen Wunsch zu uns, diese quälende Unentschlossenheit doch bitte schnell „wegzumachen“, um im Alltag endlich wieder reibungslos zu funktionieren und absolut fehlerfreie, risikolose Entscheidungen treffen zu können. Doch das Leben verlangt nach Mut zum Ungewissen – es liefert uns niemals alle Variablen im Voraus. Reframing des Symptoms Die Unfähigkeit, sich festzulegen, wird gesellschaftlich und von den Betroffenen selbst oft als Charakterschwäche, mangelnde Entschlossenheit oder als störender Defekt im System missverstanden. Man schimpft sich selbst „unfähig“ oder leidet unter der sogenannten Analysis Paralysis. In der psychotherapeutischen Realität folgt diese Blockade jedoch einer logischen und zutiefst menschlichen Schutzstrategie der Psyche. Sie versucht verzweifelt, uns vor der schmerzhaften Realität zu bewahren, dass jede Entscheidung im Leben unweigerlich ein Verzicht ist. Lähmung als unbewusster Schutzschild vor der Endlichkeit Wer sich für eine Tür entscheidet, muss in demselben Moment „Nein“ zu allen anderen sagen. Das Gedankenkarussell und das endlose Aufschieben sind somit kein Schaden im Gehirn, sondern die lautstarke Warnleuchte Ihres Systems. Sie zeigt an, dass Sie der Illusion erlegen sind, man könne alle Optionen unendlich lange offenhalten, ohne dafür mit der eigenen Lebenskraft zu bezahlen. Wer jedoch alle Türen offenlassen will, verbringt sein gesamtes Leben auf dem zugigen Flur. Die therapeutische Haltung In der Existenzanalyse und Logotherapie arbeiten wir mit der unerschütterlichen und entlastenden Gewissheit, dass der innerste, geistige Kern eines jeden Menschen vollkommen gesund und intakt bleibt. Ihre Fähigkeit, ein freies, selbstbestimmtes Leben zu führen, ist nicht kaputt – sie ist aktuell nur von der Angst vor dem Verpassen blockiert. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten agieren hier nicht als Mechaniker, die Sie rational so umprogrammieren, dass Sie wie ein Computer fehlerfreie Vor- und Nachteilslisten abarbeiten. Freiheit und Bindung, um Sinn zu stiften Wir verstehen uns als verlässliche Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter auf Augenhöhe. Freiheit ist für uns nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite heißt Verantwortung. Eine Festlegung ist kein Gefängnis, sondern die absolute Grundvoraussetzung, um überhaupt erst Sinn zu stiften. In der Therapie reparieren wir nichts an Ihnen, sondern wir schaffen den sicheren Raum, um Ihren inneren Wertekompass freizulegen, damit Sie nicht mehr aus Angst fliehen, sondern aus tiefer innerer Stimmigkeit wählen können. Aktivierung und Ausblick Der Ausstieg aus der Entscheidungsangst führt folglich nicht über das passive Erdulden der Lähmung, sondern über die mutige Reaktivierung Ihrer eigenen Selbstwirksamkeit. Sie müssen nicht alle Variablen der Zukunft kennen, um eine „richtige“ Entscheidung zu treffen. Eine Entscheidung wird nicht dadurch gut, dass sie im Vorfeld mathematisch abgesichert ist. Sie wird dadurch gut und richtig, dass Sie sich danach aktiv zu ihr stellen und den gewählten Raum mit Ihrem eigenen Leben, Ihren Werten und Ihrer Tatkraft füllen. Trotzdem Entscheiden Psychotherapie bietet Ihnen auf dieser gemeinsamen Entdeckungsreise das Fundament für einen authentischen Neubeginn. Sie lernen, das unvermeidbare Risiko des Lebens anzunehmen und zu erkennen, dass die einzige wirklich falsche Entscheidung diejenige ist, gar keine zu treffen. Indem Sie mutig durch eine Tür gehen, beenden Sie das Verwalten von Illusionen und beginnen, Ihre reale Existenz kraftvoll und aktiv selbst zu gestalten.

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Entscheiden, Angst, Erwartungen, Freiheit

„Muss ich erst am Boden liegen?“

Der richtige Zeitpunkt für Therapie? Vielleicht kennen Sie diesen Gedanken: „So schlimm ist es doch gar nicht. Anderen geht es viel schlechter. Ich muss mich nur etwas mehr zusammenreißen.“ Dieser Satz ist einer der treuesten Begleiter vieler Menschen, die eigentlich längst Unterstützung bräuchten. In unserer Gesellschaft hält sich hartnäckig der Glaube, dass Psychotherapie die letzte Bastion ist. Der „Notanker“, den man erst wirft, wenn das Schiff bereits sinkt. Aber ist das wirklich so? Stellen Sie sich kurz vor, Sie hätten seit Wochen Zahnschmerzen. Ein beständiges Ziehen, das Sie nachts nicht schlafen lässt und Ihnen tagsüber die Freude am Essen nimmt. Würden Sie tatsächlich warten, bis der Zahn ausfällt oder die Entzündung unerträglich wird? Wahrscheinlich nicht. Sie würden einen Termin bei Ihrem Zahnarzt vereinbaren, um den Schmerz zu lindern und die Ursache zu beheben. Bei unserer seelischen Gesundheit hingegen zögern wir oft fatalerweise. Wir behandeln unsere Psyche, als müsste sie unendlich belastbar sein. Dabei fragen sich so viele Menschen heimlich und viel zu lange, wann in Therapie gehen eigentlich der richtige Schritt wäre, während wir unserem Körper viel schneller und auch öfter Erholung und Pflege zugestehen. Leid braucht kein Maßband In meiner Praxis erlebe ich oft Menschen, die sich fast entschuldigen, wenn sie zum Erstgespräch kommen. Sie fürchten, ich könnte ihr Anliegen als „zu klein“ oder „nicht dramatisch genug“ abtun. Doch in der Psychotherapie und besonders in der Existenzanalyse gibt es kein objektives Maßband für Leid. Es gibt keinen Schwellenwert, den Sie überschreiten müssen, um sich das Recht auf Hilfe zu verdienen. Wenn Sie spüren, dass Ihre Lebensqualität eingeschränkt ist, dass sich graue Schleier über Ihren Alltag legen oder Ängste Ihren Radius immer enger ziehen, dann ist das jedenfalls Grund genug. Der richtige Zeitpunkt ist genau dann, wenn Sie merken, dass Sie alleine nicht mehr weiterkommen oder sich nur noch im Kreis drehen. Leid ist immer subjektiv. Wenn es sich für Sie schwer anfühlt, dann ist es schwer – Punkt. Prävention statt Reparatur Ein weiterer wichtiger Aspekt ist unser Verständnis von Therapie. Viele sehen darin eine Werkstatt, in der man „repariert“ wird, wenn man „kaputt“ ist. Ich lade Sie ein, das Bild zu wechseln. Sehen Sie Therapie eher als eine gemeinsame Expedition. Ein Bergführer wartet nicht, bis der Wanderer in die Gletscherspalte gestürzt ist, um ihn zu retten. Er hilft ihm idealerweise schon vorher, den sichersten Weg zu finden, die Ausrüstung zu prüfen und die eigenen Kräfte richtig einzuschätzen. Wann ist in Therapie zu gehen sinnvoll? Sich frühzeitig Unterstützung zu holen, kann verhindern, dass aus einer Krise eine chronische Erkrankung wird. Es ist ein Akt der Selbstfürsorge, nicht des Scheiterns. Gerade in Phasen der Neuorientierung, bei Verlusten oder anhaltender Erschöpfung kann der neutrale, geschützte Raum der Therapie helfen, wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen, bevor man ihn ganz verliert. Der Mut zum ersten Schritt Es erfordert Mut, zum Hörer zu greifen oder eine E-Mail zu schreiben. Dieser Schritt bedeutet, sich einzugestehen, dass man etwas ändern möchte. Aber genau darin liegt bereits der erste Moment der Heilung: Sie übernehmen wieder die Gestaltungsmacht über Ihr Leben. Sie warten nicht mehr passiv ab, bis der Leidensdruck unerträglich wird, sondern sorgen aktiv für sich. Ich versuche deshalb  in meiner Praxis in Wien meinen Gesprächspartnern nicht als derjenige zu begegnen, der ihr Leben besser kennt als sie, sondern als Begleiter, der ihnen hilft, die eigene Landkarte wieder lesen zu lernen. Ob diese nun mit einer schweren Last kommen oder „nur“ mit einem Stein im Schuh, der sie am Weitergehen hindert. Jede Person ist mir willkommen. Sie müssen nicht erst am Boden liegen, um aufzustehen und eine neue Richtung einzuschlagen.  

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Therapiebeginn, Entscheiden, Erwartungen

Die Qual der Wahl zu entscheiden?

Zu Entscheidungen stehen! Wir leben in einer Welt der unbegrenzten Möglichkeiten. Was auf den ersten Blick wie eine große Freiheit wirkt, entpuppt sich im Alltag oft als Last. Sei es die Wahl des Berufsweges, Fragen in der Partnerschaft oder scheinbar banale Alltagsentscheidungen. Oft stehen wir vor einer Gabelung, fühlen uns wie gelähmt und wissen nicht, wie wir schwere Entscheidungen treffen sollen. Wir wägen ab, schreiben Pro-und-Contra-Listen und zerbrechen uns den Kopf. Doch kennen Sie das Gefühl, wenn eine Entscheidung rein rational absolut sinnvoll erscheint, sich aber im Magen dennoch wie ein schwerer Stein anfühlt? In der Existenzanalyse und Logotherapie gehen wir davon aus, dass eine „gute“ Entscheidung mehr braucht als nur logische Argumente. Sie braucht unser „inneres Ja“, unsere volle Zustimmung. Schwere Entscheidungen Oft treffen wir Entscheidungen aus einem Pflichtgefühl heraus oder weil wir Erwartungen erfüllen wollen. Wir funktionieren, aber wir leben nicht. Eine Entscheidung, die nur im Kopf getroffen wird, lässt uns oft seltsam unbeteiligt oder innerlich zerrissen zurück. Nicht Kopfsache sondern Stimmigkeit Das Ziel in der therapeutischen Arbeit ist es, zu einer sogenannten existenziellen Entscheidung zu finden. Das bedeutet, dass wir eine Wahl treffen, die „stimmig“ ist. Stimmigkeit entsteht dann, wenn das, was der Verstand als richtig erkennt, mit dem übereinstimmt, was das Herz als wertvoll empfindet. Es ist der Moment, in dem wir spüren „Ja, das bin ich. Das entspricht mir, auch wenn es vielleicht anstrengend wird.“ Das Spüren ernst nehmen Um dieses innere Ja zu finden, müssen wir lernen, wieder auf unsere leiseren Töne zu hören. Viele Menschen haben verlernt, ihre emotionalen Reaktionen als wertvollen Kompass zu nutzen. Dabei meldet sich unser „Gespür“ oft sehr präzise, lange bevor der Verstand Argumente gefunden hat. In meiner Praxis lade ich Sie ein, Entscheidungen probehalber zu durchleben. Wie fühlt es sich körperlich an, wenn Sie sich innerlich für Weg A entscheiden? Wird es weit und leicht, oder eng und schwer? Dieses Spüren ist keine Laune, sondern die Art und Weise, wie sich Ihre Werte bemerkbar machen. Wir versuchen, den Dialog zwischen Ihrem Verstand, der die Fakten prüft, und Ihrem Gefühl, das den Wert prüft, wieder in Gang zu bringen. Der Mut zum Verzicht Jede Entscheidung ist immer auch ein Abschied. Das Wort „entscheiden“ trägt das „Scheiden“ schon in sich. Wenn ich Ja zu einer Sache sage, muss ich Nein zu vielen anderen Möglichkeiten sagen. Dieser Verzicht macht oft Angst. Doch wer versucht, sich alle Türen offen zu halten, bleibt am Ende im Flur stehen und lebt gar nicht. Das Paradoxe dabei ist, dass, sobald wir eine Entscheidung mit innerer Zustimmung treffen, der Verzicht seinen Schrecken verliert . Wir trauern den anderen Optionen nicht mehr hinterher, weil wir spüren, dass der gewählte Weg unser Weg ist. Begleitung zur Klarheit Es ist nicht immer leicht, die eigene Stimme im Lärm der fremden Meinungen und Ängste zu hören. Manchmal sind unsere inneren Antennen durch alte Muster oder Erwartungen verstellt. Als Ihr Begleiter unterstütze ich Sie dabei, diesen Nebel zu lichten. Wir sortieren gemeinsam. Was ist die Angst? Was ist die Vernunft? Und was ist Ihre eigentliche Sehnsucht? Das Ziel ist nicht, dass Sie die „perfekte“ Entscheidung treffen, die alle Risiken ausschließt. Die gibt es ohnehin nicht. Das Ziel ist eine Entscheidung, hinter der Sie sich selbst als Person stellen können. Denn nichts gibt uns mehr Kraft und Ruhe als das Wissen „Ich habe das gewählt, und ich stehe dazu.“.

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Freiheit, Angst, Entscheiden

Trotzdem „Ja“ zum Leben sagen!

Typisch „wienerisch“! Wien ist nicht nur die Stadt der Musik und der Kaffeehäuser, sondern auch der Geburtsort einer der hoffnungsvollsten Strömungen der Psychotherapie, der Logotherapie und Existenzanalyse. Wenn ich als Therapeut in dieser Stadt arbeite, spüre ich oft die Verantwortung und das Privileg, in der Tradition Viktor Frankls zu stehen und Menschen dabei zu begleiten, trotzdem Ja zum Leben sagen zu können. Heute aktueller denn je Sein berühmter Satz „Trotzdem Ja zum Leben sagen“ ist weit mehr als ein Buchtitel. Er ist eine Haltung, die in den dunkelsten Stunden des 20. Jahrhunderts gereift ist und die uns heute, in einer Zeit der globalen Unsicherheiten und persönlichen Überforderungen, einen festen Boden unter den Füßen geben kann. Es ist die Einladung, das Leben nicht nur dann zu bejahen, wenn die Sonne scheint, sondern gerade dann, wenn es Fragen an uns stellt, die schwer zu beantworten sind. Eine Antwort geben Viktor Frankl hat uns in der Logotherapie eine revolutionäre Umkehrung der Perspektive gelehrt, die das Fundament meiner Arbeit in der Praxis bildet. Wir Menschen neigen dazu, vom Leben zu fordern. Wir wollen Glück, wir wollen Gesundheit, wir wollen Erfolg. Frankl drehte den Spieß um. Nicht wir sind es, die das Leben befragen dürfen, sondern das Leben ist es, das uns täglich und stündlich befragt. Die Fragen des Lebens Unsere Aufgabe ist es, zu antworten, aber nicht mit Worten, sondern mit unserem Handeln und unserer Haltung. Diese Sichtweise verleiht uns eine enorme Würde. Wir sind nicht mehr Opfer der Umstände, sondern Gestalter unserer Antwort. Selbst wenn das Schicksal uns Wege versperrt, bleibt uns immer noch die Wahl, wie wir diesen Weg gehen wollen. Trotzdem „Ja“ sagen Man könnte meinen, eine Philosophie, die vor so vielen Jahrzehnten entstand, passe nicht mehr in unsere digitalisierte, schnelle Welt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Wir erleben heute oft ein Phänomen, das Frankl als „existentielles Vakuum“ bezeichnete: Wir haben von allem genug, wovon wir leben können, aber wir wissen oft nicht mehr, wofür wir leben. Der materielle Wohlstand und die unendlichen Möglichkeiten der Selbstoptimierung hinterlassen oft eine innere Leere. Heute so aktuell Die Logotherapie ist hier das Gegenmittel. Er erinnert uns daran, dass der Mensch nicht primär auf Lustgewinn oder Macht aus ist, sondern zutiefst auf Sinn ausgerichtet ist. In einer Zeit, in der viele Orientierung suchen, wirkt der Gedanke, dass jede Situation einen verborgenen Sinn in sich trägt, wie ein Leuchtturm. Trotzmacht ganz praktisch Dieses „Ja zum Leben“ ist kein naiver Optimismus, der das Leid ausblendet. Frankl wusste als Überlebender des Holocaust nur zu gut um die Abgründe des Menschseins. Seine Lehre ist deshalb so tröstlich, weil sie realistisch ist. Sie verlangt uns nicht ab, immer zu lächeln. Sie ermutigt uns vielmehr, unsere „Trotzmacht des Geistes“ zu entdecken. Das bedeutet, sich von Ängsten, Depressionen oder Schicksalsschlägen nicht das letzte Wort sprechen zu lassen. In unseren Gesprächen geht es mir darum, genau diesen unversehrten Kern in Ihnen zu stärken. Wir suchen gemeinsam nach dem „Trotzdem“ in Ihrem Leben. Nach dem Funken, der Sie weitermachen lässt, nach den Werten, die Ihnen heilig sind, und nach der Freiheit, die Ihnen niemand nehmen kann. Dieses Wiener Erbe weiterzutragen und für Ihr ganz persönliches Leben fruchtbar zu machen, ist das Herzstück meiner Arbeit.

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Freiheit, Entscheiden, Sinn

„Trotzig gegen die Angst!

Wir sind stärker als unsere Angst! Wenn uns Angst, Sorgen oder eine depressive Verstimmung im Griff haben, fühlen wir uns oft klein und hilflos. Es scheint, als wären wir den Launen unserer Psyche ausgeliefert wie ein Blatt im Wind. Wir warten darauf, dass der Sturm sich legt, damit wir wieder handlungsfähig werden. Wir warten darauf, dass der Sturm sich legt, damit wir wieder handlungsfähig werden. Doch hier setzt die Trotzmacht des Geistes an. Die Logotherapie gibt uns mit dem Begriff der „Trotzmacht des Geistes“ ein gedankliches Werkzeug, das dieses Kräfteverhältnis auf den Kopf stellt. Es ist eine Ermutigung, nicht darauf zu warten, dass die Angst verschwindet, sondern eine Kraft in uns zu entdecken, die trotz der Angst Bestand hat. Es ist die zutiefst menschliche Fähigkeit, sich nicht alles gefallen zu lassen, auch und gerade nicht von den eigenen Gefühlen. Die Trotzmacht des Geistes Das Wort „Trotzmacht“ mag im ersten Moment etwas altmodisch oder fast kindlich klingen. Doch gemeint ist damit eine sehr erwachsene und kraftvolle Haltung. Es ist die Fähigkeit unseres Geistes, auf Distanz zu gehen zu dem, was unser Körper oder unsere Psyche gerade „veranstalten“. Ein alter Begriff für eine moderne Stärke Stellen Sie sich vor, Ihre Angst ist wie schlechtes Wetter. Sie können den Regen nicht einfach abstellen, und Sie werden vielleicht nass. Aber, und das ist die Trotzmacht, Sie können entscheiden, ob Sie im Regen stehen bleiben und jammern, oder ob Sie den Kragen hochschlagen und trotzdem Ihren Weg gehen. Diese innere Widerstandskraft ist in jedem Menschen angelegt. Sie ist der gesunde Kern, der selbst in psychischen Krisen intakt bleibt und darauf wartet, aktiviert zu werden. Ich habe Angst Um diese Kraft zu nutzen, ist ein kleiner sprachlicher und gedanklicher Schritt notwendig, den wir in der Therapie oft üben. Es ist die Unterscheidung zwischen dem, was wir haben, und dem, wer wir sind. Sie haben vielleicht gerade Herzklopfen, schlaflose Nächte oder panische Gedanken. Das sind Zustände Ihres psychophysischen Organismus. Aber ich bin nicht die Angst Aber Sie sind mehr als das. Sie sind die Person, die diese Zustände wahrnimmt und sich dazu verhalten kann. Die Trotzmacht erlaubt uns zu sagen: „Ja, die Angst ist da, und sie ist unangenehm. Aber sie ist nicht der Chef in meinem Haus. Ich entscheide mich für das, was mir wichtig ist, auch wenn die Angst im Gepäck ist.“ Unseren geistigen Muskel trainieren Diese Haltung ist kein Schalter, den man einfach umlegt, sondern eher wie ein Muskel, der trainiert werden möchte. In meiner Praxis unterstützen wir diesen Trainingsprozess. Wir suchen nach Situationen, in denen Sie sich bisher von Ihren Ängsten haben einschränken lassen, und entwerfen kleine Experimente des Mutes. Das kann bedeuten, ein Telefonat zu führen, obwohl die Stimme zittert, oder zu einer Verabredung zu gehen, obwohl man sich am liebsten verkriechen würde. Jedes Mal, wenn Sie trotz des Gefühls für einen Wert handeln, wächst Ihre Trotzmacht. Sie erleben Selbstwirksamkeit. Sie erfahren, dass Sie dem Leben nicht ausgeliefert sind, sondern dass Sie ihm, im wahrsten Sinne des Wortes, die Stirn bieten können.  

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Angst, Entscheiden, Panik

 Die innere Leere füllen – oder einfach „Leben“?

Mehr als nur Funktionieren! Kennen Sie das Gefühl, dass Ihr Alltag wie ein gut geöltes Uhrwerk abläuft? Sie stehen auf, erledigen Ihre Pflichten, sind im Job verlässlich und kümmern sich um Ihre Familie. Von außen betrachtet scheint alles perfekt, doch wenn es abends ruhig wird, spüren Sie eine seltsame Hohlheit, eine innere Leere. Die innere Leere mit Sinn füllen Es ist, als ob man ein Drehbuch abspielt, das man nicht selbst geschrieben hat. In der Logotherapie nennen wir diesen Zustand das „existenzielle Vakuum“. Es ist der schmerzhafte Unterschied zwischen dem bloßen Funktionieren, dem reibungslosen Abarbeiten von Notwendigkeiten und dem wirklichen Leben, das uns innerlich berührt und erfüllt. Die Sehnsucht nach dem „Wofür“ Wir leben in einer Zeit, die uns technisch und materiell viele Möglichkeiten bietet, uns aber oft die Antwort auf die wichtigste Frage schuldig bleibt. Wofür tue ich das alles? Wenn wir nur funktionieren, reagieren wir lediglich auf den Druck und die Erwartungen von außen. Wir werden „getrieben“. Echtes Leben beginnt jedoch dort, wo wir wieder spüren, dass unser Handeln auf einen Wert ausgerichtet ist. Die innere Leere, die viele Menschen als dumpfen Druck oder Unruhe wahrnehmen, ist dabei kein Zeichen von Krankheit, sondern ein gesundes Aufbegehren des Geistes. Es ist der Ruf nach Sinn, der gehört werden möchte. Wir versuchen oft, diese Leere mit Konsum, Unterhaltung oder noch mehr Arbeit zu füllen, doch der Hunger nach Sinn lässt sich damit nicht stillen. Der Wandel der Blickrichtung Um vom Funktionieren zurück ins Leben zu finden, braucht es oft nur eine kleine, aber entscheidende Änderung der Blickrichtung. In meiner Praxis lade ich Sie ein, die Frage umzudrehen. Statt zu fragen „Was habe ich vom Leben zu erwarten?“, dürfen wir uns fragen „Was erwartet das Leben heute von mir?“ Das muss nichts Großes oder Weltbewegendes sein. Oft liegt der Sinn im Kleinen verborgen, beispielsweise in einem aufmerksamen Gespräch, in der Fürsorge für eine Pflanze, im Genuss eines Augenblicks oder im tapferen Ertragen einer schwierigen Situation. Wenn wir uns fragen „Wofür lohnt es sich heute aufzustehen?“, aktivieren wir unsere innerste Motivation. Wir beginnen wieder zu agieren, statt nur zu reagieren. Den eigenen Rhythmus wiederfinden Der Weg aus dem bloßen Funktionieren ist ein Prozess der Wiederentdeckung. Wir legen gemeinsam die Verschüttungen frei, die den Zugang zu Ihrem gesunden Kern blockieren. Es geht darum, wieder hellhörig zu werden für das, was Sie als stimmig und wertvoll empfinden. In einer Atmosphäre der Ruhe und Wertschätzung schauen wir uns an, wo Sie sich selbst abhandengekommen sind und wo Sie wieder „Ja“ zu Ihrem eigenen Leben sagen können. Unser Ziel ist nicht, dass Sie noch besser funktionieren, sondern dass Sie wieder Spuren hinterlassen, die für Sie Bedeutung haben. Denn ein Leben, das als sinnvoll empfunden wird, kennt keine Leere. Es ist voll von Aufgaben, die nur darauf warten, von Ihnen ergriffen zu werden.

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Sinn, Entscheiden, Erschöpfung, Freiheit
ADHS bei Erwachsenen

ADHS bei Erwachsenen – Rhythmus im Chaos finden!

Chaos im Kopf? Vielleicht kennen Sie das Gefühl. Sie sind intelligent, kreativ und engagiert, doch der strukturierte Alltag entgleitet Ihnen immer wieder. Ist das ADHS? Viele Erwachsene, die zu mir in die Praxis kommen, haben jahrzehntelang versucht, in einer Welt zu funktionieren, die für „lineare“ Köpfe gebaut wurde. Das Gefühl, nie ganz ins Raster zu passen? Sie tragen die Last von tausend angefangenen Projekten, ständiger innerer Unruhe und dem leisen, aber hartnäckigen Vorwurf an sich selbst, nie das volle Potenzial auf die Straße zu bringen. Kein Defekt Eine späte ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter bringt oft Erleichterung, aber auch Fragen mit sich. Plötzlich hat das Chaos einen Namen. Aus Sicht der Existenzanalyse ist ADHS jedoch keine Ausrede und schon gar kein „Defekt“, der repariert werden muss. Eine Lebensbedingung Es ist eine neurobiologische Realität, eine Bedingung, mit der viele Menschen leben. Doch wie Viktor Frankl treffend formulierte: Wir sind nicht frei von Bedingungen, aber wir sind frei, uns zu ihnen zu verhalten. Ein alter Schmerz Oft geht mit dieser späten Erkenntnis auch eine leise Trauer einher. Eine Trauer um die vielen Jahre, in denen wir uns verbogen haben, und um den quälenden Gedanken: „Hätte ich es doch nur früher gewusst.“ Auch diesen Gefühlen dürfen wir bewusst Raum geben. Anerkennen Denn erst wenn wir diesen alten Schmerz anerkennen, kann ein echtes Mitgefühl für uns selbst entstehen. Wir lernen, den gnadenlosen inneren Kritiker, der uns so lange angetrieben hat, endlich leiser zu stellen. Die Maske (er)leben Viele Betroffene perfektionieren im Laufe ihres Lebens das sogenannte „Masking“. Sie lernen, ihre wahren Impulse und Symptome zu verbergen, um gesellschaftlichen Erwartungen zu entspreche, sei es im Beruf, in der Partnerschaft oder im Freundeskreis. Doch diese ständige Anpassungsleistung kostet Tag für Tag enorm viel Kraft und führt nicht selten in die totale Erschöpfung oder gar in ein Burnout. Gesicht zeigen und aufatmen In der Therapie lade ich meine Klienten immer dazu ein, diese schwere Maske Stück für Stück abzulegen. Es darf, ja soll ein Raum entstehen, in dem sie nicht funktionieren müssen, sondern einfach sein dürfen. Mit all ihren Eigenheiten, sprunghaften Gedanken und intensiven Emotionen. Die Erlaubnis zur absoluten Authentizität ist oft der erste und wichtigste Schritt zur tatsächlichen Entlastung. Werte als Kompass im Reizüberfluss Wenn die Exekutivfunktionen, also jene kognitiven Fähigkeiten, die für Planung und Struktur zuständig sind, streiken, reicht ein klassischer Zeitplan oft nicht aus. Hier setzt die Logotherapie an, indem wir den Fokus von der reinen Pflichterfüllung auf das richten, was uns wirklich am Herzen liegt. Wir erarbeiten unsere persönlichen Werte, fragen was unserem Leben Sinn gib, wofür wir wirklich „brennen“. Wenn wir diese Werte als unseren inneren Kompass nutzen, wird es deutlich leichter, im täglichen Reizüberfluss Prioritäten zu setzen. Aufgaben, die tief mit unseren Werten verbunden sind, fallen dann oft erstaunlich leicht und wecken jenen berühmten „Hyperfokus“, der eine der größten und faszinierendsten Stärken neurodivergenter Personen darstellt. Beziehungen leben… Auch im zwischenmenschlichen Bereich hinterlässt ein unentdecktes ADHS oft Spuren. Missverständnisse häufen sich, wenn die Aufmerksamkeitsspanne in Gesprächen fluktuiert, man dem Gegenüber unabsichtlich ins Wort fällt oder Impulsivität zu ungewollten Konflikten führt. Ein gemeinsamer Blick darauf, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet, kann nicht nur uns selbst, sondern auch unseren Liebsten enorm helfen. ..auf einem neuen Fundament Wir suchen gemeinsam nach Wegen, wie wir unsere Bedürfnisse in Zukunft klarer kommunizieren können, ohne uns rechtfertigen zu müssen. Schlussendlich geht um den Aufbau von Beziehungen, die nicht auf ständiger Anpassung, sondern auf echtem gegenseitigem Verständnis und tiefer Akzeptanz beruhen. Intaktes erkennen… In meiner Arbeit mit meinen Klienten geht es mir nicht darum, gegen ihr Gehirn zu arbeiten oder diese in ein starres Raster zu pressen. Wir begeben uns vielmehr gemeinsam auf die Suche nach unserem gesunden, unversehrten Kern. Gemeinsam schauen wir uns immer an, wo unsere verborgenen Stärken in der Impulsivität und Vielseitigkeit liegen? Wie können wir Strukturen schaffen, die nicht einengen, sondern Halt geben, um die Reizflut zu navigieren? … und im Chaos entdecken Es geht darum, Frieden mit der eigenen Art zu denken zu schließen. Wir sortieren gemeinsam das Chaos, lenken den Blick auf persönlichen Werte und entwickeln Strategien, um wieder das Steuer übernehmen zu können. Legen Sie ihre Maske ab Sie erkennen sich wieder? Dann lade ich Sie ein, ein Stück Ihres Weges gemeinsam mit mir zu gehen, ganz ohne Maske.  

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ADHS, Entscheiden, Erschöpfung

Das Leben stellt Fragen?

Die lebendige Mitte (er)leben! Es gibt Zeiten im Leben, in denen das bisherige Selbstverständnis Risse bekommt. Ist das schon eine Sinnkrise? Für die einen geschieht dies Mitte zwanzig, wenn nach Ausbildung oder Studium der „Ernst des Lebens“ beginnt und plötzlich die beklemmende Frage im Raum steht: „War das schon alles? Ist das wirklich mein Weg?“ Wir nennen dies die Quarter-Life-Crisis. Für andere kommt dieser Moment in der Lebensmitte, wenn das Haus gebaut und die Karriere gemacht ist, sich aber statt Zufriedenheit eine unerklärliche Leere einstellt – die klassische Mid-Life-Crisis. In meiner Praxis erlebe ich oft, dass diese Phasen als bloßes Scheitern oder als depressive Verstimmung missverstanden werden. Aus logotherapeutischer Sicht sind diese Erschütterungen jedoch etwas ganz anderes. Sie sind ein dringender Ruf des Lebens nach Veränderung und eine Einladung zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Eine existenzielle Inventur Ich verwende gerne den Begriff der „Inventur“. Wie in einem Geschäft, das einmal im Jahr schließt, um die Bestände zu prüfen, zwingt uns eine solche Krise dazu, den Betrieb unseres Alltags kurz anzuhalten. Wir müssen in die Regale unseres Lebens schauen und uns Fragen stellen. Was liegt hier eigentlich noch herum? Sind die Ziele, die ich mit 20 hatte, heute noch gültig? Lebe ich nach meinen eigenen Werten oder erfülle ich nur noch die Erwartungen, die Eltern oder die Gesellschaft in mich gesetzt haben? Diese Inventur kann schmerzhaft sein, weil wir vielleicht erkennen, dass wir manche „Ladenhüter“ schon viel zu lange mit uns herumtragen. Doch sie ist notwendig, um Platz für das zu schaffen, was wirklich zu Ihrem heutigen Ich passt. Der Schmerz als Wachstumsmotor Die Logotherapie sieht in solchen Krisen keine Krankheit, sondern oft den Beweis für die geistige Lebendigkeit eines Menschen. Wer leidet, weil er den Sinn vermisst, ist nicht krank, sondern anspruchsvoll seinem eigenen Dasein gegenüber. Der Schmerz der Krise ist oft der „Wille zum Sinn“, der aufgewacht ist und rebelliert, weil er im aktuellen Lebensentwurf zu kurz kommt. Wenn Sie sich also in einer Quarter-Life- oder Mid-Life-Crisis befinden, ist das ein Zeichen dafür, dass Ihr gesunder Kern nach mehr Echtheit verlangt. Es ist der Versuch Ihrer Seele, aus einem bloßen Funktionieren auszubrechen und wieder in ein echtes Erleben und Gestalten zu kommen. Sortieren, was bleiben darf In unserer gemeinsamen Arbeit geht es nicht darum, Ihr gesamtes bisheriges Leben über Bord zu werfen. Eine Inventur bedeutet auch, das Wertvolle zu erkennen und zu bewahren. Wir schauen uns gemeinsam an, welche Ressourcen und Stärken Sie bereits haben und wie wir diese neu ausrichten können. Wir trennen das, was Sie nur aus Pflichtgefühl tun, von dem, was Sie mit innerer Zustimmung erfüllen können. Dieser Prozess schafft Klarheit. Er verwandelt die diffuse Unzufriedenheit in konkrete Handlungsoptionen. Am Ende dieser Inventur steht oft ein Leben, das sich vielleicht äußerlich gar nicht so stark verändert hat, sich aber innerlich wieder „richtig“ und stimmig anfühlt, weil es wieder Ihr eigenes ist.

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Sinn, Entscheiden, Krise
Blog - Wenn die Furcht vor der Angst regiert - Ein Schattenwolf

Die Furcht vor der Angst regiert?

Wege erkennen! Es ist ein Phänomen, das viele Menschen kennen, auch wenn sie selten darüber sprechen. Oft ist es gar nicht die eigentliche Situation, wie der Vortrag, die U-Bahn-Fahrt oder das volle Wartezimmer, die uns die Kehle zuschnürt. Es ist vielmehr die Angst davor, dass die Angst kommen könnte. Wir fürchten uns vor dem Erröten, dem Zittern, dem Schwitzen oder der Panikattacke selbst. In der Logotherapie nennen wir dies die „Erwartungsangst“. Es entsteht ein Teufelskreis. Weil wir so angestrengt versuchen, ruhig zu bleiben und die Symptome zu vermeiden, verkrampfen wir uns innerlich erst recht. Wir beobachten uns selbst mit Argusaugen, und genau diese fixierte Aufmerksamkeit holt das gefürchtete Übel erst hervor. Doch es gibt einen Weg, diesen Knoten zu lösen. Er erfordert ein wenig Mut und eine Prise Humor. Den Spieß einfach umdrehen Die Logotherapie hat für diesen Mechanismus mit der Paradoxen Intention eine geniale, wenn auch auf den ersten Blick verblüffende Methode entwickelt. Normalerweise tun wir alles, um der Angst zu entfliehen. Wir kämpfen gegen sie an oder vermeiden die Auslöser. Die Logotherapie schlägt nun vor, genau das Gegenteil zu tun. Statt vor der Angst davonzulaufen, laden wir sie ein. Wir gehen in die Offensive. Das klingt zunächst widersinnig, doch das Prinzip dahinter ist einleuchtend. Man kann nicht gleichzeitig vor etwas davonlaufen und darauf zugehen. Wenn wir aufhören, das Symptom zu bekämpfen, und es stattdessen für einen Moment sogar übertrieben herbeiwünschen, nehmen wir der Angst den Wind aus den Segeln. Mit Humor gegen die Ohnmacht Ein Beispiel verdeutlicht, wie das in der Praxis aussehen kann. Wer Angst hat, in einer Besprechung zu zittern, versucht meist krampfhaft, die Hände ruhig zu halten und zittert dadurch erst recht. Die paradoxe Antwort wäre der innere Entschluss „Heute zeige ich den Kollegen einmal, wie toll ich zittern kann! Ich werde rütteln wie ein Presslufthammer.“ Oder wer fürchtet zu erröten, könnte sich sagen „Heute werde ich so rot, dass ich der Feuerwehr Konkurrenz mache.“ Das mag albern klingen und genau das ist der Punkt. Die Angst ist ein sehr ernster, humorloser Geselle. Indem wir ihr mit Witz und Übertreibung begegnen, distanzieren wir uns von ihr. Wir nutzen unsere menschliche Fähigkeit zur Selbstdistanzierung und stellen uns über das Symptom, statt darunter zu leiden. Ein Übungsfeld… Natürlich erfordert es Überwindung, der Angst auf diese Weise frech ins Gesicht zu lachen, besonders wenn der Leidensdruck hoch ist. Es ist eine Technik, die wir in der Praxis behutsam und Schritt für Schritt einüben. Es geht nicht darum, sich über das eigene Leid lustig zu machen, sondern darum, die „Trotzmacht des Geistes“ zu aktivieren. Wir lernen gemeinsam, die Fixierung auf das Symptom zu lockern. … in geschütztem Rahmen Wenn Sie aufhören, die Angst um jeden Preis vermeiden zu wollen, verliert sie ihre Bedrohlichkeit. Sie werden erleben, dass der gefürchtete Sturm oft gar nicht aufzieht, wenn Sie die Fenster weit öffnen und ihn hereinbitten. Sie holen sich damit die Kontrolle zurück. Nicht durch Verbissenheit, sondern durch eine spielerische Souveränität.

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Angst, Entscheiden

Depression als ungebetener Gast?

An der Tür stehen­lassen! Es gibt Besucher im Leben, die man nie eingeladen hat und die dennoch plötzlich vor der Tür stehen. Die Depression ist wohl einer der eindringlichsten und schwersten dieser Gäste. Sie bringt eine bleierne Schwere mit sich, verdunkelt den Blick auf die Welt und nistet sich oft so dominant in unserem Alltag ein, dass wir glauben, wir bestünden nur noch aus Traurigkeit und Erschöpfung. Die Depression haben – nicht sein! In meiner therapeutischen Arbeit begegne ich vielen Menschen, die sagen: „Ich bin depressiv.“ Doch genau hier, in diesem kleinen Wort „bin“, liegt ein entscheidender Ansatzpunkt der Logotherapie. Ein hilfreicher Umgang mit Depression beginnt oft mit einer kleinen Erkenntnis: Sie sind nicht die Krankheit. Ich möchte Sie einladen, diesen Satz behutsam umzuformulieren. Sie sind nicht die Depression. Sie haben eine Depression. Das ist ein gewaltiger Unterschied! Sie sind mehr als Ihre Krankheit Wenn die Dunkelheit übermächtig scheint, verschwimmt oft die Grenze zwischen unserer Persönlichkeit und der Erkrankung. Wir fühlen uns identisch mit dem Leid. Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie, hat jedoch stets betont, dass der Mensch nicht mit seinen psychischen oder körperlichen Zuständen gleichzusetzen ist. Stellen Sie sich die Depression wie einen schweren, nassen Mantel vor, den man Ihnen umgelegt hat. Dieser Mantel drückt, er engt ein und er macht jede Bewegung mühsam. Aber unter diesem Mantel sind Sie immer noch Sie selbst. Ihre Werte, Ihre Geschichte, Ihr Humor und Ihre Liebesfähigkeit sind nicht verschwunden; sie sind momentan nur verdeckt. Seien sie „trotzig“ Das ist die tröstliche und zugleich kraftvolle Botschaft der Existenzanalyse: Ihr geistiger Kern, das eigentliche Wesen Ihrer Person, kann nicht krank werden. Er bleibt auch in der tiefsten Krise intakt. Wir nennen dies die „Trotzmacht des Geistes“. Selbst wenn die Gefühle und der Körper streiken, gibt es eine Instanz in Ihnen, die zu alldem Stellung nehmen kann. Diese Instanz ist fähig, den ungebetenen Gast zwar wahrzunehmen, ihm aber nicht das ganze Haus zu überlassen. Es geht nicht darum, die Depression gewaltsam vor die Tür zu setzen. Das kostet oft Kraft, die man gerade nicht hat. Es geht vielmehr darum, ihr einen festen Platz zuzuweisen, damit sie nicht das Wohnzimmer Ihres Lebens besetzt. Dem „Gast“ Grenzen setzen In unserer gemeinsamen Arbeit in der Praxis Theranaut üben wir diese Kunst der „Selbstdistanzierung“. Wir lernen, den ungebetenen Gast an der Garderobe stehenzulassen, anstatt ihn bitten, den Tisch zu decken. Das bedeutet konkret, dass wir die Schwere anerkennen, die heute da ist. Aber wir entscheiden uns vielleicht dennoch für einen kleinen Spaziergang oder ein kurzes Gespräch mit einem Freund. Nicht, weil wir uns danach fühlen, sondern weil es uns wichtig ist. Indem wir handeln, obwohl der Gast da ist, entziehen wir der Depression Schritt für Schritt die Macht. Wir stärken das Gesunde in Ihnen, bis der Raum für das Eigene wieder größer wird als der Raum, den die Krankheit einnimmt. Ein Raum für Begegnung Es erfordert Mut und Geduld, sich nicht mit der eigenen Dunkelheit zu identifizieren. Doch Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen. Als Therapeut begleite ich Sie dabei, diese feine Unterscheidung im Alltag immer wieder zu treffen. Wir suchen gemeinsam nach den Momenten, in denen der „Mantel“ der Depression vielleicht ein kleines bisschen lockerer sitzt, und nutzen diese Augenblicke, um das Leben wieder hereinzulassen. Sie bleiben der Hausherr in Ihrem Leben, auch wenn gerade ein schwieriger Gast anwesend ist.

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Depression, Entscheiden, Sinn

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Praxis für Psychotherapie in Wien 1010 – zentral erreichbar im ersten Bezirk

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