Trotzdem Ja zum Leben sagen – Ein Wiener Erbe, das heute mehr denn je gebraucht wird

Wien ist nicht nur die Stadt der Musik und der Kaffeehäuser, sondern auch der Geburtsort einer der hoffnungsvollsten Strömungen der Psychotherapie, der Logotherapie und Existenzanalyse. Wenn ich als Therapeut in dieser Stadt arbeite, spüre ich oft die Verantwortung und das Privileg, in der Tradition Viktor Frankls zu stehen und Menschen dabei zu begleiten, trotzdem Ja zum Leben sagen zu können.

Sein berühmter Satz „Trotzdem Ja zum Leben sagen“ ist weit mehr als ein Buchtitel. Er ist eine Haltung, die in den dunkelsten Stunden des 20. Jahrhunderts gereift ist und die uns heute, in einer Zeit der globalen Unsicherheiten und persönlichen Überforderungen, einen festen Boden unter den Füßen geben kann. Es ist die Einladung, das Leben nicht nur dann zu bejahen, wenn die Sonne scheint, sondern gerade dann, wenn es Fragen an uns stellt, die schwer zu beantworten sind.

Eine Antwort auf die Fragen des Lebens geben

Viktor Frankl hat uns in der Logotherapie eine revolutionäre Umkehrung der Perspektive gelehrt, die das Fundament meiner Arbeit in der Praxis bildet. Wir Menschen neigen dazu, vom Leben zu fordern. Wir wollen Glück, wir wollen Gesundheit, wir wollen Erfolg. Frankl drehte den Spieß um. Nicht wir sind es, die das Leben befragen dürfen, sondern das Leben ist es, das uns täglich und stündlich befragt. Unsere Aufgabe ist es, zu antworten, aber nicht mit Worten, sondern mit unserem Handeln und unserer Haltung. Diese Sichtweise verleiht uns eine enorme Würde. Wir sind nicht mehr Opfer der Umstände, sondern Gestalter unserer Antwort. Selbst wenn das Schicksal uns Wege versperrt, bleibt uns immer noch die Wahl, wie wir diesen Weg gehen wollen.

Trotzdem Ja zum leben sagen – Warum Frankl heute so aktuell ist

Man könnte meinen, eine Philosophie, die vor so vielen Jahrzehnten entstand, passe nicht mehr in unsere digitalisierte, schnelle Welt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Wir erleben heute oft ein Phänomen, das Frankl als „existentielles Vakuum“ bezeichnete: Wir haben von allem genug, wovon wir leben können, aber wir wissen oft nicht mehr, wofür wir leben. Der materielle Wohlstand und die unendlichen Möglichkeiten der Selbstoptimierung hinterlassen oft eine innere Leere.

Frankls Ansatz ist hier das Gegenmittel. Er erinnert uns daran, dass der Mensch nicht primär auf Lustgewinn oder Macht aus ist, sondern zutiefst auf Sinn ausgerichtet ist. In einer Zeit, in der viele Orientierung suchen, wirkt der Gedanke, dass jede Situation einen verborgenen Sinn in sich trägt, wie ein Leuchtturm.

Die Trotzmacht in der Praxis

Dieses „Ja zum Leben“ ist kein naiver Optimismus, der das Leid ausblendet. Frankl wusste als Überlebender des Holocaust nur zu gut um die Abgründe des Menschseins. Seine Lehre ist deshalb so tröstlich, weil sie realistisch ist. Sie verlangt uns nicht ab, immer zu lächeln. Sie ermutigt uns vielmehr, unsere „Trotzmacht des Geistes“ zu entdecken. Das bedeutet, sich von Ängsten, Depressionen oder Schicksalsschlägen nicht das letzte Wort sprechen zu lassen.

In unseren Gesprächen geht es mir darum, genau diesen unversehrten Kern in Ihnen zu stärken. Wir suchen gemeinsam nach dem „Trotzdem“ in Ihrem Leben. Nach dem Funken, der Sie weitermachen lässt, nach den Werten, die Ihnen heilig sind, und nach der Freiheit, die Ihnen niemand nehmen kann. Dieses Wiener Erbe weiterzutragen und für Ihr ganz persönliches Leben fruchtbar zu machen, ist das Herzstück meiner Arbeit.

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