Panikattacken im Supermarkt – Erste-Hilfe-Strategien für den Alltag

Für viele Menschen ist der Wocheneinkauf eine reine Routineangelegenheit. Doch für Betroffene von Panikattacken im Supermarkt kann der Gang durch den Supermarkt zur reinsten Tortur werden. Vielleicht kennen Sie dieses Szenario. Sie stehen in der Schlange an der Kassa, hinter Ihnen warten andere Kunden, vorne geht es nicht weiter. Plötzlich verändert sich alles. Das Licht wirkt grell, die Geräusche werden dröhnend laut, das Herz beginnt zu rasen und der Schweiß bricht aus. Ein einziger Gedanke hämmert im Kopf. „Ich muss hier raus, sonst kippe ich um.“ In meiner Praxis berichten mir Klienten oft von der großen Scham, die mit diesen Momenten einhergeht. Doch ich möchte Ihnen versichern, das, was Ihr Körper da tut, ist keine Fehlfunktion, für die Sie sich schämen müssen, sondern eine Alarmreaktion, die wir verstehen und beruhigen können. Der Blick nach außen statt nach innen In dem Moment, in dem die Panik aufsteigt, neigen wir fast automatisch dazu, unseren „inneren Scheinwerfer“ auf uns selbst zu richten. Wir horchen in den Körper hinein. Schlägt das Herz noch schneller? Werden die Knie weich? Doch genau diese angstvolle Selbstbeobachtung wirkt wie ein Brandbeschleuniger für die Panik. Die Logotherapie bietet hier mit der Dereflexion eine wirkungsvolle Gegenstrategie an. Das bedeutet, die Aufmerksamkeit ganz bewusst von sich selbst weg und hin zu den Dingen in der Welt zu lenken. Wenn Sie die Unruhe spüren, versuchen Sie, Ihren Blick gezielt auf die Umgebung zu richten. Lesen Sie die Inhaltsstoffe auf der Cornflakes-Packung vor Ihnen. Zählen Sie die roten Gegenstände im Regal oder studieren Sie die Frisur der Person vor Ihnen im Detail. Den Kreislauf der Angst unterbrechen Indem Sie sich auf eine konkrete, neutrale Aufgabe im Außen konzentrieren, entziehen Sie der Angst die Energie. Unser Gehirn kann sich nur schwer auf zwei Dinge gleichzeitig fokussieren, wie auf die Panik und auf das genaue Lesen eines Etiketts. Es geht dabei nicht darum, die Angst zu verdrängen, sondern den Fokus zu verschieben. Sie bleiben handlungsfähig, indem Sie sich der Welt zuwenden, statt im Inneren zu versinken. Erlauben Sie sich in diesen Momenten auch kleine, hilfreiche Handlungen. Greifen Sie fest den Griff des Einkaufswagens, um den Bodenkontakt zu spüren, oder atmen Sie bewusst tief aus. Sagen Sie sich innerlich „Es ist unangenehm, aber es geht vorbei. Ich bleibe hier und kaufe meine Milch.“ Das Signal verstehen lernen Diese Erste-Hilfe-Strategien sind wertvolle Werkzeuge, um den Alltag wieder zu bewältigen und Rückzugsverhalten zu vermeiden. Doch eine Panikattacke ist meist mehr als nur ein körperliches Gewitter. Sie ist oft ein Wegweiser der Seele. Wenn der akute Sturm vorüber ist, lohnt es sich, in der Ruhe der therapeutischen Begegnung nach den Ursachen zu forschen. Wovor will mich die Angst vielleicht beschützen? Wo in meinem Leben ist mir etwas „zu eng“ geworden, sodass mir im Supermarkt die Luft wegbleibt? In der Praxis schauen wir uns nicht nur das Symptom an, sondern fragen nach dem Sinn dahinter. Denn wenn wir verstehen, was die Seele uns sagen möchte, muss sie nicht mehr so laut schreien.

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Panik, Angst

Der Anker im Sturm – Warum unsere Werte gerade in der Krise überlebenswichtig sind

Wenn wir uns in einer tiefen Krise oder einer depressiven Phase befinden, gleicht das Leben oft einer Fahrt auf stürmischer See bei dichtem Nebel. Unsere Werte und Orientierung gehen verloren, und das, was uns früher Freude bereitet hat, verschwindet hinter einem grauen Schleier der Gleichgültigkeit. In solchen Zeiten verlieren wir oft den Kontakt zu unseren Gefühlen. Doch gerade wenn die emotionale „Wetterlage“ rau und unübersichtlich ist, brauchen wir etwas, das uns Halt gibt. Unsere Werte in der Krise verhindern, dass wir abgetrieben werden. In der Existenzanalyse und Logotherapie bezeichnen wir diese Haltepunkte als Werte. Sie sind keine starren moralischen Regeln, sondern die ganz persönlichen Leuchttürme, die uns zeigen, was uns im Innersten wirklich wichtig ist, auch dann, wenn wir es gerade nicht fühlen können. Werte bleiben bestehen, auch wenn das Gefühl schweigt Ein tückisches Merkmal der Depression ist, dass sie uns vorgaukelt, nichts sei mehr von Bedeutung. Die Dinge, für die wir früher gebrannt haben, sei es die Natur, die Musik, die Familie oder der Beruf, scheinen ihren Reiz verloren zu haben. Doch hier liegt ein entscheidendes Missverständnis, das wir in der Therapie gemeinsam aufklären. Ein Wert verschwindet nicht, nur weil die Fähigkeit, ihn emotional zu genießen, vorübergehend blockiert ist. Die Liebe zu einem Menschen oder die Bedeutung einer Aufgabe bleibt wahr, auch wenn sie im Moment nicht spürbar ist. Es ist wie bei der Sonne hinter den Wolken. Wir sehen sie nicht, wir spüren ihre Wärme nicht, aber wir wissen, dass sie da ist. An diesem Wissen können wir uns festhalten. Handlung als Brücke zum Sinn Wozu ist dieses Wissen gut, wenn man sich doch so leer fühlt? Es dient uns als Kompass für unser Handeln. Wenn wir uns nur nach unserer momentanen Befindlichkeit richten würden, blieben wir im Bett liegen, weil die Antriebskraft fehlt. Richten wir uns jedoch nach unseren Werten, können wir die „Trotzmacht des Geistes“ aktivieren. Wir tun etwas nicht, weil es uns gerade Spaß macht, sondern weil es uns wertvoll ist. Wir gehen vielleicht spazieren, nicht aus Lust, sondern weil uns die Gesundheit oder die Natur wichtig ist. Wir rufen einen Freund an, nicht aus Geselligkeit, sondern weil uns die Freundschaft heilig ist. Diese wertorientierten Handlungen sind der Anker, der uns in der Realität hält. Sie bewahren uns davor, ganz im Strudel der dunklen Gedanken zu versinken. Die kleinen Anker im Alltag In meiner Praxis geht es mir nicht darum, dass Sie in der Krise sofort große Heldentaten vollbringen. Wertearbeit ist oft Arbeit im Kleinen. Gemeinsam suchen wir nach den noch so unscheinbaren Dingen, die für Sie persönlich eine Bedeutung haben. Das kann die Pflege einer Pflanze sein, die Sorge für ein Haustier oder das bewusste Trinken einer Tasse Tee. Indem wir uns diesen Werten wieder zuwenden, oft erst rein kognitiv und durch Handeln, später dann wieder fühlend, bauen wir eine Brücke zurück ins Leben. Wer ein „Wozu“ hat, für das er einsteht, kann fast jedes „Wie“ ertragen. Ihre Werte sind der feste Boden, auf den Sie Ihre Füße stellen können, bis der Nebel sich lichtet und die Gefühle langsam zurückkehren.

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Krise

Sicherheit oder Freiheit? Warum wir Kontrolle loslassen müssen, um wirklich zu leben

Wir Menschen sind Meister im Absichern. Wir schließen Versicherungen ab, planen unsere Karrieren Jahre im Voraus und versuchen, Risiken so weit wie möglich zu minimieren. Dieses Streben nach Sicherheit ist verständlich und zutiefst menschlich. Es gibt uns ein Gefühl von Halt in einer oft unübersichtlichen Welt. Doch in meiner Praxis erlebe ich oft, dass dieses Sicherheitsbedürfnis zu einem goldenen Käfig werden kann. Besonders dann, wenn die Furcht vor der Angst beginnt, das Handeln zu regieren. Wenn der Wunsch nach Kontrolle übermächtig wird, ersticken wir langsam unsere eigene Lebendigkeit. In der Existenzanalyse stehen wir vor einer paradoxen Wahrheit. Wer versucht, das Leben vollkommen sicher zu machen, verliert dabei oft das eigentliche Leben, denn Leben bedeutet immer auch Risiko, Veränderung und Unvorhersehbarkeit. Die Illusion der Machbarkeit Wir leben in einer Kultur, die uns suggeriert, alles sei machbar und kontrollierbar, wenn wir uns nur genug anstrengen. Doch das ist eine Illusion der Kontrolle. Weder unsere Gesundheit, noch unsere Beziehungen oder unsere berufliche Zukunft lassen sich vollständig in Excel-Tabellen pressen. Der Versuch, absolute Kontrolle zu erlangen, kostet uns nicht nur unendlich viel Kraft, er engt auch unseren Blick ein. Wir starren so gebannt auf mögliche Gefahren, dass wir die Chancen am Wegesrand übersehen. Wer sich gegen das Unvorhergesehene abschottet, sperrt auch das Schöne aus: die spontane Begegnung, die überraschende Wendung, das Neue, das nur durch die „Lücke“ im Plan zu uns kommen kann. Mut zur Lücke und zum Vertrauen Der Gegenpol zur starren Kontrolle ist nicht Leichtsinn, sondern Vertrauen. Es ist der „Mut zur Lücke“. Der Mut, nicht alles wissen und regeln zu müssen. In der therapeutischen Arbeit geht es oft darum, dieses Urvertrauen wiederzuentdecken. Es bedeutet, die innere Haltung zu entwickeln „Ich weiß nicht, was auf mich zukommt, aber ich traue mir zu, damit umzugehen, wenn es da ist.“ Anstatt Energie darauf zu verwenden, die Wellen des Lebens glätten zu wollen, lernen wir lieber, das Surfen zu üben. Diese Haltung schenkt uns eine enorme innere Freiheit. Wir müssen nicht mehr der Wachmann unseres eigenen Lebens sein, sondern dürfen wieder zum Entdecker werden. Sicherheit in sich selbst finden Wenn wir die Sicherheit im Außen durch Kontrolle und Garantien ein Stück weit loslassen, müssen wir sie woanders finden, idealerweise in uns selbst. Das ist der Kern der logotherapeutischen Arbeit. Wir stärken Ihre inneren Ressourcen, Ihre Werte und Ihre „Trotzmacht“, damit Sie sich selbst genug Halt geben können, auch wenn das Leben um Sie herum wackelt. Kontrolle loslassen Wahre Sicherheit entsteht nicht durch die Abwesenheit von Gefahr, sondern durch das Wissen um die eigene Widerstandskraft und die Bindung an das, was Ihnen wertvoll ist. Wir üben gemeinsam, das Ungewisse nicht als Bedrohung, sondern als offenen Raum für Gestaltung zu betrachten. Es ist eine Einladung, die Zügel etwas lockerer zu lassen und zu spüren, wie das Leben wieder zu atmen beginnt.  

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Vertrauen

 Die innere Leere füllen – Warum „Funktionieren“ nicht dasselbe ist wie „Leben“.

Mehr als nur Funktionieren: Wie wir die innere Leere mit Sinn füllen Kennen Sie das Gefühl, dass Ihr Alltag wie ein gut geöltes Uhrwerk abläuft? Sie stehen auf, erledigen Ihre Pflichten, sind im Job verlässlich und kümmern sich um Ihre Familie. Von außen betrachtet scheint alles perfekt, doch wenn es abends ruhig wird, spüren Sie eine seltsame Hohlheit, eine innere Leere. Es ist, als ob man ein Drehbuch abspielt, das man nicht selbst geschrieben hat. In der Logotherapie nennen wir diesen Zustand das „existenzielle Vakuum“. Es ist der schmerzhafte Unterschied zwischen dem bloßen Funktionieren, dem reibungslosen Abarbeiten von Notwendigkeiten und dem wirklichen Leben, das uns innerlich berührt und erfüllt. Die Sehnsucht nach dem „Wofür“ Wir leben in einer Zeit, die uns technisch und materiell viele Möglichkeiten bietet, uns aber oft die Antwort auf die wichtigste Frage schuldig bleibt. Wofür tue ich das alles? Wenn wir nur funktionieren, reagieren wir lediglich auf den Druck und die Erwartungen von außen. Wir werden „getrieben“. Echtes Leben beginnt jedoch dort, wo wir wieder spüren, dass unser Handeln auf einen Wert ausgerichtet ist. Die innere Leere, die viele Menschen als dumpfen Druck oder Unruhe wahrnehmen, ist dabei kein Zeichen von Krankheit, sondern ein gesundes Aufbegehren des Geistes. Es ist der Ruf nach Sinn, der gehört werden möchte. Wir versuchen oft, diese Leere mit Konsum, Unterhaltung oder noch mehr Arbeit zu füllen, doch der Hunger nach Sinn lässt sich damit nicht stillen. Der Wandel der Blickrichtung Um vom Funktionieren zurück ins Leben zu finden, braucht es oft nur eine kleine, aber entscheidende Änderung der Blickrichtung. In meiner Praxis lade ich Sie ein, die Frage umzudrehen. Statt zu fragen „Was habe ich vom Leben zu erwarten?“, dürfen wir uns fragen „Was erwartet das Leben heute von mir?“ Das muss nichts Großes oder Weltbewegendes sein. Oft liegt der Sinn im Kleinen verborgen, beispielsweise in einem aufmerksamen Gespräch, in der Fürsorge für eine Pflanze, im Genuss eines Augenblicks oder im tapferen Ertragen einer schwierigen Situation. Wenn wir uns fragen „Wofür lohnt es sich heute aufzustehen?“, aktivieren wir unsere innerste Motivation. Wir beginnen wieder zu agieren, statt nur zu reagieren. Den eigenen Rhythmus wiederfinden Der Weg aus dem bloßen Funktionieren ist ein Prozess der Wiederentdeckung. Wir legen gemeinsam die Verschüttungen frei, die den Zugang zu Ihrem gesunden Kern blockieren. Es geht darum, wieder hellhörig zu werden für das, was Sie als stimmig und wertvoll empfinden. In einer Atmosphäre der Ruhe und Wertschätzung schauen wir uns an, wo Sie sich selbst abhandengekommen sind und wo Sie wieder „Ja“ zu Ihrem eigenen Leben sagen können. Unser Ziel ist nicht, dass Sie noch besser funktionieren, sondern dass Sie wieder Spuren hinterlassen, die für Sie Bedeutung haben. Denn ein Leben, das als sinnvoll empfunden wird, kennt keine Leere. Es ist voll von Aufgaben, die nur darauf warten, von Ihnen ergriffen zu werden.

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Sinn, Erschöpfung
Klimanangst und Exo Anxiety

Sinn finden, wenn die Welt erdrückend wirkt

Die Last der Welt auf den eigenen Schultern Es gibt Momente, in denen sich die täglichen Nachrichten weniger wie reine Informationen und mehr wie ein schweres Gewicht auf unseren Schultern anfühlen. Waldbrände, Überschwemmungen, Hitzewellen – Klimaangst? Wenn wir uns tiefgreifende Sorgen um die Klimakrise, den Zustand unseres Planeten und die Zukunft machen, auf die wir zusteuern, sind wir damit nicht allein. Dieses bedrückende Gefühl der existenziellen Sorge, oft als „Eco-Anxiety“ oder Klimaangst bezeichnet, wird zu einer immer alltäglicheren Begleiterscheinung unserer Zeit. Für viele fühlt es sich an, als stünde man am Ufer und sähe einem herannahenden Sturm zu, ohne flüchten zu können. Klimaangst ist keine Störung – sie ist menschlich Wenn Klientinnen und Klienten mit diesem lähmenden Weltschmerz zu mir in die Praxis kommen, ist mein erster Impuls nicht, diesen Zustand zu pathologisieren. Die Angst vor einer realen, herannahenden Bedrohung ist keine Störung. Sie ist eine zutiefst menschliche, gesunde Reaktion. Sie zeigt, dass wir hinschauen, dass wir mitfühlend sind und die Verletzlichkeit unserer Umwelt erkennen. Der Philosoph Albrecht Glenn prägte den Begriff „Solastalgie“ für den Schmerz, den wir empfinden, wenn sich die vertraute Heimatwelt um uns herum unwiderruflich verändert. Dieser Schmerz ist der Preis für unsere Verbundenheit mit der Erde. Er darf sein. Die Lähmung der Ohnmacht verstehen Problematisch wird es erst, wenn diese Angst zu einem inneren Gefängnis wird, das den Alltag diktiert und die Lebensenergie raubt. Das schiere Ausmaß der globalen Krise führt bei vielen Menschen zu einer tiefen Ohnmacht. Wenn wir das Gefühl haben, als Einzelne ohnehin nichts ausrichten zu können, reagiert unsere Psyche oft mit Erstarrung oder Zynismus. Zynismus ist jedoch meist nur enttäuschte Hoffnung und ein Schutzpanzer gegen die Verzweiflung. In der Therapie schauen wir behutsam hinter diesen Panzer. Wir geben der Angst den Raum, den es braucht, damit sie den Menschen nicht länger unbewusst steuert. Zwischen Ohnmacht und innerer Freiheit In der Existenzanalyse und Logotherapie nach Viktor E. Frankl gehen wir davon aus, dass uns selbst angesichts von Umständen, die wir nicht im Alleingang kontrollieren können, immer ein Raum der inneren Freiheit bleibt. Frankl nannte dies die „Trotzmacht des Geistes“. Dennoch, wir können die globale Klimakrise nicht in einer psychotherapeutischen Sitzung lösen, aber wir können grundlegend verändern, wie wir uns zu ihr verhalten. Wir lernen also zu unterscheiden in was die unabänderlichen Fakten der Makro-Welt sind, und wo unser ganz persönlicher, mikrokosmischer Gestaltungsspielraum liegt. Perfektionismus loslassen, Sinn im Kleinen finden Ein großer Teil der Eco-Anxiety speist sich aus dem Druck, das Problem perfekt lösen zu müssen. Wer versucht, zu 100 Prozent klimaneutral zu leben, scheitert zwangsläufig an den systemischen Realitäten unserer Gesellschaft und bleibt frustriert zurück. Deshalb geht es nicht darum, im Alleingang die Welt zu retten. Es geht darum, das persönliche „Trotzdem-Ja zum Leben“ zu finden. Das bedeutet, kleine, wertebasierte Entscheidungen zu treffen, die persönlichen Sinn stiften, ohne sich von den Dingen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, aufzehren zu lassen. Wir erforschen, wie unsere Gefühle der Hilflosigkeit in sinnvolles, machbares Handeln verwandeln können. Trauer zulassen und neue Verbundenheit spüren Ein wesentlicher Schritt auf diesem Weg ist auch die Akzeptanz von Trauer. Es ist in Ordnung, um Tierarten, Landschaften oder eine unbeschwertere Vorstellung der Zukunft zu trauern. Wenn wir diese Trauer nicht länger wegdrücken, kann paradoxerweise eine neue, tiefere Verbundenheit zur Natur entstehen. Anstatt in die ständige Zukunftsangst abzudriften, üben wir, uns wieder im Hier und Jetzt zu verankern, etwa bei einem Spaziergang im Wald, wo wir nicht an die Rodung denken, sondern die Kraft des Baumes im jetzigen Moment spüren. Der erste Schritt in die Zukunft Wir sollten unsere mentale Gesundheit schützen, ohne die Augen vor der Realität zu verschließen. So wird es wieder möglich, ein Leben im Einklang mit unseren Werten zu führen, selbst wenn draußen der Sturm tobt. Es kann herausfordernd sein, mit dieser existenziellen Angst umzugehen. Gerne begleite ich Sie auf einem Stück dieses Weges.  

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Sinn, Angst
ADHS bei Erwachsenen

ADHS bei Erwachsenen – Den eigenen Rhythmus im Chaos finden

Chaos im Kopf? Das Gefühl, nie ganz ins Raster zu passen? Vielleicht kennen Sie das Gefühl. Sie sind intelligent, kreativ und engagiert, doch der strukturierte Alltag entgleitet Ihnen immer wieder. Ist das ADHS? Viele Erwachsene, die zu mir in die Praxis kommen, haben jahrzehntelang versucht, in einer Welt zu funktionieren, die für „lineare“ Köpfe gebaut wurde. Sie tragen die Last von tausend angefangenen Projekten, ständiger innerer Unruhe und dem leisen, aber hartnäckigen Vorwurf an sich selbst, nie das volle Potenzial auf die Straße zu bringen. Kein Defekt, sondern eine Lebensbedingung Eine späte ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter bringt oft Erleichterung, aber auch Fragen mit sich. Plötzlich hat das Chaos einen Namen. Aus Sicht der Existenzanalyse ist ADHS jedoch keine Ausrede und schon gar kein „Defekt“, der repariert werden muss. Es ist eine neurobiologische Realität, eine Bedingung, mit der viele Menschen leben. Doch wie Viktor Frankl treffend formulierte: Wir sind nicht frei von Bedingungen, aber wir sind frei, uns zu ihnen zu verhalten. Den alten Schmerz anerkennen Oft geht mit dieser späten Erkenntnis auch eine leise Trauer einher. Eine Trauer um die vielen Jahre, in denen wir uns verbogen haben, und um den quälenden Gedanken: „Hätte ich es doch nur früher gewusst.“ Auch diesen Gefühlen dürfen wir bewusst Raum geben. Denn erst wenn wir diesen alten Schmerz anerkennen, kann ein echtes Mitgefühl für uns selbst entstehen. Wir lernen, den gnadenlosen inneren Kritiker, der uns so lange angetrieben hat, endlich leiser zu stellen. Die Maske ablegen und aufatmen Viele Betroffene perfektionieren im Laufe ihres Lebens das sogenannte „Masking“. Sie lernen, ihre wahren Impulse und Symptome zu verbergen, um gesellschaftlichen Erwartungen zu entspreche, sei es im Beruf, in der Partnerschaft oder im Freundeskreis. Doch diese ständige Anpassungsleistung kostet Tag für Tag enorm viel Kraft und führt nicht selten in die totale Erschöpfung oder gar in ein Burnout. In der Therapie lade ich meine Klienten immer dazu ein, diese schwere Maske Stück für Stück abzulegen. Es darf, ja soll ein Raum entstehen, in dem sie nicht funktionieren müssen, sondern einfach sein dürfen. Mit all ihren Eigenheiten, sprunghaften Gedanken und intensiven Emotionen. Die Erlaubnis zur absoluten Authentizität ist oft der erste und wichtigste Schritt zur tatsächlichen Entlastung. Werte als Kompass im Reizüberfluss Wenn die Exekutivfunktionen, also jene kognitiven Fähigkeiten, die für Planung und Struktur zuständig sind, streiken, reicht ein klassischer Zeitplan oft nicht aus. Hier setzt die Logotherapie an, indem wir den Fokus von der reinen Pflichterfüllung auf das richten, was uns wirklich am Herzen liegt. Wir erarbeiten unsere persönlichen Werte, fragen was unserem Leben Sinn gib, wofür wir wirklich „brennen“. Wenn wir diese Werte als unseren inneren Kompass nutzen, wird es deutlich leichter, im täglichen Reizüberfluss Prioritäten zu setzen. Aufgaben, die tief mit unseren Werten verbunden sind, fallen dann oft erstaunlich leicht und wecken jenen berühmten „Hyperfokus“, der eine der größten und faszinierendsten Stärken neurodivergenter Personen darstellt. Beziehungen auf einem neuen Fundament Auch im zwischenmenschlichen Bereich hinterlässt ein unentdecktes ADHS oft Spuren. Missverständnisse häufen sich, wenn die Aufmerksamkeitsspanne in Gesprächen fluktuiert, man dem Gegenüber unabsichtlich ins Wort fällt oder Impulsivität zu ungewollten Konflikten führt. Ein gemeinsamer Blick darauf, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet, kann nicht nur uns selbst, sondern auch unseren Liebsten enorm helfen. Wir suchen gemeinsam nach Wegen, wie wir unsere Bedürfnisse in Zukunft klarer kommunizieren können, ohne uns rechtfertigen zu müssen. Schlussendlich geht um den Aufbau von Beziehungen, die nicht auf ständiger Anpassung, sondern auf echtem gegenseitigem Verständnis und tiefer Akzeptanz beruhen. Den unversehrten Kern im Chaos entdecken In meiner Arbeit mit meinen Klienten geht es mir nicht darum, gegen ihr Gehirn zu arbeiten oder diese in ein starres Raster zu pressen. Wir begeben uns vielmehr gemeinsam auf die Suche nach unserem gesunden, unversehrten Kern. Gemeinsam schauen wir uns immer an, wo unsere verborgenen Stärken in der Impulsivität und Vielseitigkeit liegen? Wie können wir Strukturen schaffen, die nicht einengen, sondern Halt geben, um die Reizflut zu navigieren? Es geht darum, Frieden mit der eigenen Art zu denken zu schließen. Wir sortieren gemeinsam das Chaos, lenken den Blick auf persönlichen Werte und entwickeln Strategien, um wieder das Steuer übernehmen zu können. Legen Sie ihre Maske ab Sie erkennen sich wieder? Dann lade ich Sie ein, ein Stück Ihres Weges gemeinsam mit mir zu gehen, ganz ohne Maske.  

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ADHS

Wie man weitermacht, wenn nichts mehr so ist wie früher

Wenn das Leben zerbricht Es gibt Ereignisse, die das Leben in ein „Davor“ und ein „Danach“ teilen. Ein plötzlicher Verlust, eine schwere Diagnose oder ein Unfall können unser gewohntes Dasein von einer Sekunde auf die andere aus den Angeln heben. In solchen Momenten fühlen wir uns oft nicht nur traurig, sondern ohnmächtig. Der Boden unter den Füßen scheint wegzubrechen, und die Pläne, die wir für die Zukunft geschmiedet hatten, lösen sich in Luft auf. In meiner Praxis begegne ich Menschen, die vor den Trümmern ihrer bisherigen Existenz stehen und sich fragen „Wie soll es jetzt überhaupt noch weitergehen?“. Die Logotherapie bietet hier keine billigen Trostpflaster an, sondern einen Weg, der tiefen Respekt vor Ihrem Leid hat und zugleich an Ihre unzerstörbare Würde glaubt. Die Tür, die verschlossen bleibt In der Logotherapie sprechen wir in diesem Zusammengang oft vom „tragischen Optimismus“. Damit meinen wir nicht, alles durch eine rosarote Brille zu sehen, sondern dem Leid ins Auge zu blicken und dennoch Ja zum Leben zu sagen. Manche Schicksalsschläge sind unabänderlich. Wir können sie nicht ungeschehen machen, so sehr wir es uns auch wünschen. Das anzuerkennen, ist oft der schmerzhafteste erste Schritt. Es ist völlig in Ordnung und sogar notwendig, zu trauern, zu wüten und zu verzweifeln. In der Therapie geben wir diesen Gefühlen Raum, denn sie sind die angemessene Reaktion auf den Verlust von etwas Wertvollem. Wir müssen nicht sofort stark sein. Wir dürfen erst einmal verletzt sein. Die letzte menschliche Freiheit Doch selbst wenn wir an den äußeren Umständen nichts mehr ändern können, bleibt uns in der Logotherapie immer eine letzte Freiheit erhalten. Die Freiheit, unsere Einstellung zu diesen Umständen zu wählen. Wenn das Handeln im Außen nicht mehr möglich ist, beginnt die Zeit der sogenannten „Einstellungswerte“. Das bedeutet, es liegt an Ihnen, wie Sie Ihr schweres Schicksal tragen. Werden Sie daran verbittern und verzweifeln, oder gelingt es Ihnen, selbst im Leid eine Haltung der Würde zu bewahren? Das ist eine enorme Herausforderung, aber genau hierin liegt oft die größte menschliche Leistung. Ein Mensch, der sein Leid tapfer und aufrecht trägt, verwirklicht einen Sinn, den ihm niemand nehmen kann. Ein neues Fundament bauen Wenn die alten Säulen des Lebens eingestürzt sind, müssen wir behutsam beginnen, ein neues Fundament zu errichten. Das bedeutet nicht, das Vergangene zu vergessen oder das Schmerzhafte schönzureden. Es bedeutet, inmitten der Trümmer nach neuen Möglichkeiten zu suchen. Vielleicht reift in der Auseinandersetzung mit der Endlichkeit eine neue Tiefe in den Beziehungen zu anderen Menschen. Vielleicht entdecken Sie eine Sensibilität oder eine Dankbarkeit für kleine Dinge, die früher selbstverständlich waren. In der gemeinsamen Arbeit begleite ich Sie dabei, diese zarten Pflänzchen des Neuen zu entdecken. Wir schauen nicht nur auf das, was verloren ging, sondern auch auf das, was noch möglich ist. Wir suchen nach dem Licht, das gerade durch die Risse in unser Leben fällt.

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Krise

Wenn das Leben Fragen stellt – Quarter/Mid-Life-Crisis als Einladung zur Inventur

Es gibt Zeiten im Leben, in denen das bisherige Selbstverständnis Risse bekommt. Ist das schon eine Sinnkrise? Für die einen geschieht dies Mitte zwanzig, wenn nach Ausbildung oder Studium der „Ernst des Lebens“ beginnt und plötzlich die beklemmende Frage im Raum steht: „War das schon alles? Ist das wirklich mein Weg?“ Wir nennen dies die Quarter-Life-Crisis. Für andere kommt dieser Moment in der Lebensmitte, wenn das Haus gebaut und die Karriere gemacht ist, sich aber statt Zufriedenheit eine unerklärliche Leere einstellt – die klassische Mid-Life-Crisis. In meiner Praxis erlebe ich oft, dass diese Phasen als bloßes Scheitern oder als depressive Verstimmung missverstanden werden. Aus logotherapeutischer Sicht sind diese Erschütterungen jedoch etwas ganz anderes. Sie sind ein dringender Ruf des Lebens nach Veränderung und eine Einladung zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Zeit für eine existenzielle Inventur Ich verwende gerne den Begriff der „Inventur“. Wie in einem Geschäft, das einmal im Jahr schließt, um die Bestände zu prüfen, zwingt uns eine solche Krise dazu, den Betrieb unseres Alltags kurz anzuhalten. Wir müssen in die Regale unseres Lebens schauen und uns Fragen stellen. Was liegt hier eigentlich noch herum? Sind die Ziele, die ich mit 20 hatte, heute noch gültig? Lebe ich nach meinen eigenen Werten oder erfülle ich nur noch die Erwartungen, die Eltern oder die Gesellschaft in mich gesetzt haben? Diese Inventur kann schmerzhaft sein, weil wir vielleicht erkennen, dass wir manche „Ladenhüter“ schon viel zu lange mit uns herumtragen. Doch sie ist notwendig, um Platz für das zu schaffen, was wirklich zu Ihrem heutigen Ich passt. Der Schmerz als Wachstumsmotor Die Logotherapie sieht in solchen Krisen keine Krankheit, sondern oft den Beweis für die geistige Lebendigkeit eines Menschen. Wer leidet, weil er den Sinn vermisst, ist nicht krank, sondern anspruchsvoll seinem eigenen Dasein gegenüber. Der Schmerz der Krise ist oft der „Wille zum Sinn“, der aufgewacht ist und rebelliert, weil er im aktuellen Lebensentwurf zu kurz kommt. Wenn Sie sich also in einer Quarter-Life- oder Mid-Life-Crisis befinden, ist das ein Zeichen dafür, dass Ihr gesunder Kern nach mehr Echtheit verlangt. Es ist der Versuch Ihrer Seele, aus einem bloßen Funktionieren auszubrechen und wieder in ein echtes Erleben und Gestalten zu kommen. Sortieren, was bleiben darf In unserer gemeinsamen Arbeit geht es nicht darum, Ihr gesamtes bisheriges Leben über Bord zu werfen. Eine Inventur bedeutet auch, das Wertvolle zu erkennen und zu bewahren. Wir schauen uns gemeinsam an, welche Ressourcen und Stärken Sie bereits haben und wie wir diese neu ausrichten können. Wir trennen das, was Sie nur aus Pflichtgefühl tun, von dem, was Sie mit innerer Zustimmung erfüllen können. Dieser Prozess schafft Klarheit. Er verwandelt die diffuse Unzufriedenheit in konkrete Handlungsoptionen. Am Ende dieser Inventur steht oft ein Leben, das sich vielleicht äußerlich gar nicht so stark verändert hat, sich aber innerlich wieder „richtig“ und stimmig anfühlt, weil es wieder Ihr eigenes ist.

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Sinn
Blog - Wenn die Furcht vor der Angst regiert - Ein Schattenwolf

Wenn die Furcht vor der Angst regiert – Ein überraschender Weg aus der Enge

Es ist ein Phänomen, das viele Menschen kennen, auch wenn sie selten darüber sprechen. Oft ist es gar nicht die eigentliche Situation, wie der Vortrag, die U-Bahn-Fahrt oder das volle Wartezimmer, die uns die Kehle zuschnürt. Es ist vielmehr die Angst davor, dass die Angst kommen könnte. Wir fürchten uns vor dem Erröten, dem Zittern, dem Schwitzen oder der Panikattacke selbst. In der Logotherapie nennen wir dies die „Erwartungsangst“. Es entsteht ein Teufelskreis. Weil wir so angestrengt versuchen, ruhig zu bleiben und die Symptome zu vermeiden, verkrampfen wir uns innerlich erst recht. Wir beobachten uns selbst mit Argusaugen, und genau diese fixierte Aufmerksamkeit holt das gefürchtete Übel erst hervor. Doch es gibt einen Weg, diesen Knoten zu lösen. Er erfordert ein wenig Mut und eine Prise Humor. Den Spieß einfach umdrehen Die Logotherapie hat für diesen Mechanismus mit der Paradoxen Intention eine geniale, wenn auch auf den ersten Blick verblüffende Methode entwickelt. Normalerweise tun wir alles, um der Angst zu entfliehen. Wir kämpfen gegen sie an oder vermeiden die Auslöser. Die Logotherapie schlägt nun vor, genau das Gegenteil zu tun. Statt vor der Angst davonzulaufen, laden wir sie ein. Wir gehen in die Offensive. Das klingt zunächst widersinnig, doch das Prinzip dahinter ist einleuchtend. Man kann nicht gleichzeitig vor etwas davonlaufen und darauf zugehen. Wenn wir aufhören, das Symptom zu bekämpfen, und es stattdessen für einen Moment sogar übertrieben herbeiwünschen, nehmen wir der Angst den Wind aus den Segeln. Mit Humor gegen die Ohnmacht Ein Beispiel verdeutlicht, wie das in der Praxis aussehen kann. Wer Angst hat, in einer Besprechung zu zittern, versucht meist krampfhaft, die Hände ruhig zu halten und zittert dadurch erst recht. Die paradoxe Antwort wäre der innere Entschluss „Heute zeige ich den Kollegen einmal, wie toll ich zittern kann! Ich werde rütteln wie ein Presslufthammer.“ Oder wer fürchtet zu erröten, könnte sich sagen „Heute werde ich so rot, dass ich der Feuerwehr Konkurrenz mache.“ Das mag albern klingen und genau das ist der Punkt. Die Angst ist ein sehr ernster, humorloser Geselle. Indem wir ihr mit Witz und Übertreibung begegnen, distanzieren wir uns von ihr. Wir nutzen unsere menschliche Fähigkeit zur Selbstdistanzierung und stellen uns über das Symptom, statt darunter zu leiden. Ein Übungsfeld in geschütztem Rahmen Natürlich erfordert es Überwindung, der Angst auf diese Weise frech ins Gesicht zu lachen, besonders wenn der Leidensdruck hoch ist. Es ist eine Technik, die wir in der Praxis behutsam und Schritt für Schritt einüben. Es geht nicht darum, sich über das eigene Leid lustig zu machen, sondern darum, die „Trotzmacht des Geistes“ zu aktivieren. Wir lernen gemeinsam, die Fixierung auf das Symptom zu lockern. Wenn Sie aufhören, die Angst um jeden Preis vermeiden zu wollen, verliert sie ihre Bedrohlichkeit. Sie werden erleben, dass der gefürchtete Sturm oft gar nicht aufzieht, wenn Sie die Fenster weit öffnen und ihn hereinbitten. Sie holen sich damit die Kontrolle zurück. Nicht durch Verbissenheit, sondern durch eine spielerische Souveränität.

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Angst

Depression als ungebetener Gast – Wie wir lernen, ihn an der Tür stehenzulassen

Ist ein Umgang mit Depression überhaupt möglich? Ja.   Es gibt Besucher im Leben, die man nie eingeladen hat und die dennoch plötzlich vor der Tür stehen. Die Depression ist wohl einer der eindringlichsten und schwersten dieser Gäste. Sie bringt eine bleierne Schwere mit sich, verdunkelt den Blick auf die Welt und nistet sich oft so dominant in unserem Alltag ein, dass wir glauben, wir bestünden nur noch aus Traurigkeit und Erschöpfung. In meiner therapeutischen Arbeit begegne ich vielen Menschen, die sagen: „Ich bin depressiv.“ Doch genau hier, in diesem kleinen Wort „bin“, liegt ein entscheidender Ansatzpunkt der Logotherapie. Ein hilfreicher Umgang mit Depression beginnt oft mit einer kleinen Erkenntnis: Sie sind nicht die Krankheit. Ich möchte Sie einladen, diesen Satz behutsam umzuformulieren. Sie sind nicht die Depression. Sie haben eine Depression. Das ist ein gewaltiger Unterschied! Sie sind mehr als Ihre Krankheit Wenn die Dunkelheit übermächtig scheint, verschwimmt oft die Grenze zwischen unserer Persönlichkeit und der Erkrankung. Wir fühlen uns identisch mit dem Leid. Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie, hat jedoch stets betont, dass der Mensch nicht mit seinen psychischen oder körperlichen Zuständen gleichzusetzen ist. Stellen Sie sich die Depression wie einen schweren, nassen Mantel vor, den man Ihnen umgelegt hat. Dieser Mantel drückt, er engt ein und er macht jede Bewegung mühsam. Aber unter diesem Mantel sind Sie immer noch Sie selbst. Ihre Werte, Ihre Geschichte, Ihr Humor und Ihre Liebesfähigkeit sind nicht verschwunden; sie sind momentan nur verdeckt. Der gesunde Kern bleibt unversehrt Das ist die tröstliche und zugleich kraftvolle Botschaft der Existenzanalyse: Ihr geistiger Kern, das eigentliche Wesen Ihrer Person, kann nicht krank werden. Er bleibt auch in der tiefsten Krise intakt. Wir nennen dies die „Trotzmacht des Geistes“. Selbst wenn die Gefühle und der Körper streiken, gibt es eine Instanz in Ihnen, die zu alldem Stellung nehmen kann. Diese Instanz ist fähig, den ungebetenen Gast zwar wahrzunehmen, ihm aber nicht das ganze Haus zu überlassen. Es geht nicht darum, die Depression gewaltsam vor die Tür zu setzen – das kostet oft Kraft, die man gerade nicht hat. Es geht vielmehr darum, ihr einen festen Platz zuzuweisen, damit sie nicht das Wohnzimmer Ihres Lebens besetzt. Dem „Gast“ Grenzen setzen In unserer gemeinsamen Arbeit in der Praxis Theranaut üben wir diese Kunst der „Selbstdistanzierung“. Wir lernen, den ungebetenen Gast an der Garderobe stehenzulassen, anstatt ihn bitten, den Tisch zu decken. Das bedeutet konkret: Wir erkennen an, dass die Schwere heute da ist, aber wir entscheiden uns vielleicht dennoch für einen kleinen Spaziergang oder ein kurzes Gespräch mit einem Freund – nicht, weil wir uns danach fühlen, sondern weil es uns wichtig ist. Indem wir handeln, obwohl der Gast da ist, entziehen wir der Depression Schritt für Schritt die Macht. Wir stärken das Gesunde in Ihnen, bis der Raum für das Eigene wieder größer wird als der Raum, den die Krankheit einnimmt. Ein Raum für Begegnung Es erfordert Mut und Geduld, sich nicht mit der eigenen Dunkelheit zu identifizieren. Doch Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen. Als Therapeut begleite ich Sie dabei, diese feine Unterscheidung im Alltag immer wieder zu treffen. Wir suchen gemeinsam nach den Momenten, in denen der „Mantel“ der Depression vielleicht ein kleines bisschen lockerer sitzt, und nutzen diese Augenblicke, um das Leben wieder hereinzulassen. Sie bleiben der Hausherr in Ihrem Leben – auch wenn gerade ein schwieriger Gast anwesend ist.

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Depression

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tHeranaut.at

Praxis für Psychotherapie in Wien 1010 – zentral erreichbar im ersten Bezirk

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