Wie man weitermacht, wenn nichts mehr so ist wie früher

Wenn das Leben zerbricht

Es gibt Ereignisse, die das Leben in ein „Davor“ und ein „Danach“ teilen. Ein plötzlicher Verlust, eine schwere Diagnose oder ein Unfall können unser gewohntes Dasein von einer Sekunde auf die andere aus den Angeln heben. In solchen Momenten fühlen wir uns oft nicht nur traurig, sondern ohnmächtig. Der Boden unter den Füßen scheint wegzubrechen, und die Pläne, die wir für die Zukunft geschmiedet hatten, lösen sich in Luft auf.

In meiner Praxis begegne ich Menschen, die vor den Trümmern ihrer bisherigen Existenz stehen und sich fragen „Wie soll es jetzt überhaupt noch weitergehen?“. Die Logotherapie bietet hier keine billigen Trostpflaster an, sondern einen Weg, der tiefen Respekt vor Ihrem Leid hat und zugleich an Ihre unzerstörbare Würde glaubt.

Die Tür, die verschlossen bleibt

In der Logotherapie sprechen wir in diesem Zusammengang oft vom „tragischen Optimismus“. Damit meinen wir nicht, alles durch eine rosarote Brille zu sehen, sondern dem Leid ins Auge zu blicken und dennoch Ja zum Leben zu sagen. Manche Schicksalsschläge sind unabänderlich. Wir können sie nicht ungeschehen machen, so sehr wir es uns auch wünschen. Das anzuerkennen, ist oft der schmerzhafteste erste Schritt.

Es ist völlig in Ordnung und sogar notwendig, zu trauern, zu wüten und zu verzweifeln. In der Therapie geben wir diesen Gefühlen Raum, denn sie sind die angemessene Reaktion auf den Verlust von etwas Wertvollem. Wir müssen nicht sofort stark sein. Wir dürfen erst einmal verletzt sein.

Die letzte menschliche Freiheit

Doch selbst wenn wir an den äußeren Umständen nichts mehr ändern können, bleibt uns in der Logotherapie immer eine letzte Freiheit erhalten. Die Freiheit, unsere Einstellung zu diesen Umständen zu wählen. Wenn das Handeln im Außen nicht mehr möglich ist, beginnt die Zeit der sogenannten „Einstellungswerte“.

Das bedeutet, es liegt an Ihnen, wie Sie Ihr schweres Schicksal tragen. Werden Sie daran verbittern und verzweifeln, oder gelingt es Ihnen, selbst im Leid eine Haltung der Würde zu bewahren? Das ist eine enorme Herausforderung, aber genau hierin liegt oft die größte menschliche Leistung. Ein Mensch, der sein Leid tapfer und aufrecht trägt, verwirklicht einen Sinn, den ihm niemand nehmen kann.

Ein neues Fundament bauen

Wenn die alten Säulen des Lebens eingestürzt sind, müssen wir behutsam beginnen, ein neues Fundament zu errichten. Das bedeutet nicht, das Vergangene zu vergessen oder das Schmerzhafte schönzureden. Es bedeutet, inmitten der Trümmer nach neuen Möglichkeiten zu suchen. Vielleicht reift in der Auseinandersetzung mit der Endlichkeit eine neue Tiefe in den Beziehungen zu anderen Menschen. Vielleicht entdecken Sie eine Sensibilität oder eine Dankbarkeit für kleine Dinge, die früher selbstverständlich waren.

In der gemeinsamen Arbeit begleite ich Sie dabei, diese zarten Pflänzchen des Neuen zu entdecken. Wir schauen nicht nur auf das, was verloren ging, sondern auch auf das, was noch möglich ist. Wir suchen nach dem Licht, das gerade durch die Risse in unser Leben fällt.

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