Darf ich hier auch lachen? Über die heilsame Kraft des Humors

Wer an Psychotherapie denkt, hat oft ein bestimmtes Bild im Kopf. Ernste Gesichter, schwere Themen, Taschentuchboxen und eine Atmosphäre, in der jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird. Schließlich geht es um Leid, um Ängste oder tiefe Erschöpfung. Scheint da Lachen nicht fehl am Platz, vielleicht sogar respektlos dem eigenen Schmerz gegenüber?

Die überraschende Antwort lautet Ganz und gar nicht. Humor in der Therapie ist in meiner Praxis nicht nur „erlaubt“, er ist oft ein wesentlicher Türöffner für Veränderungen.

Humor in der Therapie – Ein kurzer Urlaub vom Problem

Wenn wir in einer Krise stecken, neigen wir dazu, mit unserem Problem zu verschmelzen. Die Angst oder die Sorge füllt den ganzen Raum aus, bis wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Genau hier setzt Humor an. Er schafft einen Moment der Distanz. Wer über eine Situation, oder sogar liebevoll über eine eigene „Macke“, lachen kann, steht in diesem Moment über den Dingen, statt unter ihnen begraben zu sein.

Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie mit der ich arbeite, sah im Humor eine der wichtigsten Fähigkeiten des menschlichen Geistes. Er nannte es, ironischerweise wenig humorvoll, die „Trotzmacht des Geistes“. Ein Lachen kann der Beweis dafür sein, dass jeder Mensch mehr ist als eine Diagnose oder ein momentanes Tief. Lachen ist ein kurzes Aufatmen, ein kleiner Urlaub von der Schwere.

Lachen schafft Verbindung

Natürlich lachen wir in der Therapie niemals jemanden aus und wir lachen auch Probleme nicht weg. Wir nehmen das Leid absolut ernst. Aber Ernsthaftigkeit bedeutet nicht Schwere. Es gibt Momente in Sitzungen, in denen sich durch ein gemeinsames Schmunzeln eine Anspannung löst, die durch bloßes Reden kaum zu knacken gewesen wäre. Lachen verbindet und schafft eine Atmosphäre der Sicherheit. Es signalisiert, dass wir uns auch die dunklen Ecken des Lebens ansehen können, ohne dabei das Licht zu verlieren.

Die Rückkehr der Leichtigkeit

Oft ist das erste echte Lachen nach einer langen Zeit der Traurigkeit ein Wendepunkt. Es ist wie ein erstes Schneeglöckchen nach dem Winter, ein Zeichen dafür, dass die Lebenskraft zurückkehrt. Wenn also meine Patienten bei mir sitzen und ihnen kommt ein witziger Gedanke oder sie müssen über die Absurdität einer Situation schmunzeln, ermutige ich sie das nicht zu unterdrücken. Es ist willkommen. Denn Heilung braucht nicht nur Tiefe, sie braucht auch Leichtigkeit.

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Praxis für Psychotherapie in Wien 1010 – zentral erreichbar im ersten Bezirk

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