Hoch sensibel? Schützen Sie Ihre feinen Antennen!

Ein gewöhnlicher Nachmittag in der Wiener Innenstadt: Die U-Bahn quietscht beim Einfahren in den Stephansplatz, Wortfetzen von Dutzenden Menschen überlagern sich, Straßenbahnen klingeln und grelles Licht spiegelt sich in den Schaufenstern. Während andere diese Geräuschkulisse scheinbar mühelos ausblenden, fühlen Sie sich, als würden Sie jeden einzelnen Reiz ungefiltert wie ein Schwamm aufsaugen.

Am Ende des Tages bleibt oft nur noch eine bleierne, ständige Erschöpfung und die verzweifelte Frage: „Warum halte ich nicht einfach so viel aus wie die anderen?“ In diesem Zustand entsteht rasch der verständliche Wunsch nach einer Art Werkstattbesuch für die Seele.

Viele Klientinnen und Klienten kommen in die Praxis mit der Erwartung, man möge diese störende Feinfühligkeit bitte schnell „wegmachen“ oder abstumpfen, damit sie im Alltag wieder reibungslos wie eine Maschine funktionieren können. Doch diese Hypersensibilität ist kein Baufehler, der korrigiert werden muss.

Der überlastete Sensor

Wenn die Reizdichte den eigenen Verarbeitungsrahmen dauerhaft übersteigt, signalisiert Ihnen der Körper nicht etwa eine Schwäche. Reizüberflutung und die daraus resultierende Müdigkeit sind keine Zeichen eines kaputten Systems, sondern vielmehr das exakte Gegenteil: Sie sind ein hochempfindliches, funktionierendes Alarmsystem.

Hochsensibilität bedeutet, dass das neuronale Filternetzwerk Reize schlichtweg tiefer und differenzierter verarbeitet. Die chronische Überforderung ist daher ein deutlicher Hinweis darauf, dass das gegenwärtige Umfeld oder der eigene Lebensstil gerade nicht mehr stimmig mit den eigenen Bedürfnissen ist.

Es geht also nicht darum, den Sensor abzuklemmen, sondern die Umgebung und die eigenen Grenzen besser an die Empfindsamkeit anzupassen. Die Erschöpfung ist der gesunde Aufschrei Ihrer Psyche, dass es zu viel ist. Ein Umstand, der auch für Burnout deutlich hervorzuheben ist.

Reizüberflutung – die gute Nachricht

Aus der Perspektive der Logotherapie und Existenzanalyse gilt ein überaus ermutigender Grundsatz: Der tiefste, gesunde Kern eines jeden Menschen bleibt von Überforderung, Ängsten oder Dauerstress stets unberührt.

Sie sind nicht „falsch“ oder „zerbrechlich“, sondern tragen ein zutiefst intaktes Selbst in sich, das lediglich vorübergehend von der Fülle der äußeren Eindrücke überdeckt wird. Als Therapeut verstehe ich mich daher keineswegs als Mechaniker, der an Symptomen schraubt, sondern als behutsamer Wegbegleiter.

Gemeinsam schaffen wir im therapeutischen Raum eine Oase der Ruhe, in der der Lärm der Welt verblasst. Anstatt die feinen Antennen abzuschneiden, lernen Klientinnen und Klienten, diese wieder als das zu schätzen, was sie wirklich sind: ein hochpräzises Instrument zur Wahrnehmung der Welt. Ergänzend dazu lernen wir auch, wie wie wichtig es ist, die eigenen Belastungsgrenzen ernst zu nehmen und nicht blind gegen sie anzukämpfen.

Erdulden? Nein, aktiv gestalten!

Psychotherapie bedeutet in diesem Sinne nicht, den Alltag einfach besser auszuhalten, sondern markiert den Einstieg in einen aktiven Entdeckungs- und Gestaltungsprozess. Wenn wir erkennen, dass Feinfühligkeit Teil unseres gesunden Kerns ist, verändert sich der Blickwinkel radikal.

Es gilt dann, den eigenen Lebensraum proaktiv so zu formen, dass Reize sich entfalten können, ohne zu erdrücken. Das setzt voraus, dass wir lernen, ohne schlechtes Gewissen Nein zu sagen und sich Räume des Rückzugs zu schaffen. Diese Schritte erfordern Mut, sind aber der direkteste Weg aus der Erschöpfungsspirale.

Wenn Sie erfahren möchten, wie eine spezifische Behandlung von Erschöpfung und Burnout Sie dabei unterstützen kann, wieder mit sich selbst in Einklang zu kommen, machen Sie den ersten Schritt. Nehmen Sie die Gestaltung Ihres Lebens wieder selbstwirksam in die Hand.

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